Mit dem Patronatsfest am 30.12.1966, das in althergebrachter Weise gefeiert wurde, endete das Vereinsjahr 1965. Alle tradi­tionellen Veranstaltungen konnten unge­stört und zur Freude und Zufriedenheit der Mitglieder und der Bevölkerung ab­gewickelt werden.

Die Karnevalsgesellschaft „Südstern” be­ging mit Pauken und Fanfarenstößen die Fastnachtstage.

Am Vorabend der „tollen Tage” wurde zur Freude der Jugend der Ätzebär durch das Dorf getrieben und seine Strohum­hüllung am Dorfausgang verbrannt.

Prinz Karneval wurde Christian Issel, Sohn des residierenden Schützenkönigs Heinrich Issel. Heinrich Weitz hilft ihm als Hofmarschall die Staatsgeschäfte tragen. Beide sind aktive Mitglieder der Bruderschaft.

Beim „ Ewigen Gebet“ übernahm die Bru­derschaft die Betstunden zur Nachtzeit.

Bei schönstem Sonnenschein wurde das Schützenfest an allen drei Tagen ein rich­tiges Volksfest. Nach mehreren Jahren herrschte wieder einmal ausgesproche­nes Schützenwetter. Die fruchtbaren Fel­der waren menschenleer.

Aber das Dorf war vom ersten bis zum letzten Haus geschmückt. Schon am Samstagabend gab man sich dem frohen Treiben hin. Das halbe Dorf und beson­ders viele junge Gäste kamen zum Tanz in die Dorfschenke Longerich-Schenke. Am Sonntagmorgen versammelten sich die Schützen zum gemeinsamen Gottes­dienst. Anschließend war die Toteneh­rung am Denkmalsplatz. Rektor i.R. Franz Brors hielt die Gedächt­nisrede. Am Sonntagnachmittag zog der Festzug durch das mit Fahnen, Girlan­den und Birken grün geschmückte Dorf.

Montagmorgen um 10:00 Uhr begann der Wettkampf um die Schützenwürde.

Die alte Schützenmajestät und Präses Färber gaben die Ehrenschüsse ab. Der Wettbewerb war hart. Noch nie hatte es so viele ernste Bewerber um den Schützen­thron gegeben wie in diesem Jahr. Nach mehrstündigem hartem Kampf war es soweit. Um 13:30 Uhr holte Herrmann Weitz den Vogel von der Stange. Herr­mann Weitz gehört dem Reitercorps an und übt den in Serm stark vertretenden Beruf des Gemüsegärtners aus. Nicht nur als Mitglied des Kirchenvorstandes sondern auch durch Übernahme von vie­len Ehrenämtern in den Vereinen zeigt er seine Verbundenheit und Pflichterfüllung.

Die Pfänder hatten Theo Baltes, Jo­hann Mertens und Josef Gebel erbeutet. Schützenprinz wurde Heinrich Klasen. Um 17:00 Uhr zeigten sich die neuen Ma­jestäten im Festzug bei der Parade dem Sermer Schützenvolk. Königin ist die Gattin des Schützenkö­nigs, seine Frau Gertrud. Den Hofstaat zieren Willi Blomenkamp und Adolf Sau­er mit Gattinnen. Um 21:00 Uhr war die feierliche Proklamation.

Gratulation vom Brudermeister Christian Issel

Kronprinz Heinz Klasen bekommt die Kette

Beim gemütlichen Beisammensein am Sonntagmorgen im Vereinslokal „Dorf­schänke“ wurden die Fahnenträger Willi Issel, Erwin Steinig und Peter Mölchen zu Leutnanten ernannt. Als Auszeich­nung erhielten Heinrich Busch, Willi Issel, Willi Osterfeld, Jakob Wirtz, Engelbert Altgassen und Peter Dornscheidt das Verdienstkreuz. In der Fronleichnamsprozession beglei­teten der Schützenkönig mit Schützensil­ber und Offiziere das Allerheiligste.

Am Sonntag, den 18.9.1966 feierte die Nachbarbruderschaft St. Sebastianus­Schützenbruderschaft der St. Dionysi­us-Pfarre Mündelheim ihr Königsfest und „250“ jähriges Jubiläum. Der neue Schützenkönig, Matthias Schieben, war schon vor mehrere Wochen ausge­schossen worden. Unsere Bruderschaft fühlte sich verpflichtet, mit einem beson­ders starken Aufgebot vertreten zu sein ; denn die Ortschaft Serm gehörte nicht nur bis zur Gründung der Pfarre Serm zur Pfarrgemeinde Mündelheim, sondern Sermer waren auch bis zur Gründung der Bruderschaft im Jahr 1927 Mitglie­der der Mündelheimer St. Sebastianus Schützenbruderschaft. So meldet eine alte Schützenplatte aus dem Jahre 1730, die heute die Schützenkette unserer Bruderschaft ziert, einen Sermer Ludwig Rurarth als Schützenkönig.

Im Festzug war Serm mit 90 Mitgliedern vertreten. Alle Kompanien und Gruppen waren fast vollständig erschienen. Im Festgottesdienst am Sonntagmorgen in der St. Dionysius-Pfarrkirche wurde die feierliche Krönung vorgenommen. Zum historischen Festzug waren außer Serm auch die Bruderschaften aus Buch­holz, Großenbaum, Huckingen, Kaiser­werth, Wittlaer und Rahm gekommen. Die Königsadjutanten trugen friederizian­sche Offiziersuniformen.

Im Sommer 1966 fand auf dem Gelän­de des Hüttenwerkes Mannesmann die Inbetriebnahme des mit einem Aufwand von 110 Millionen Mark erstellten neuen Blasstahlwerkes statt. Das Werk wurde komplett von der Gutehoffnungshütte in Oberhausen in zweijähriger Bauzeit er­richtet. Die jährliche Rohstahlerzeugung kann auf 3 Millionen Tonnen gesteigert werden. Weil die beiden Konverter Nass­-Elektro-Filteranlagen besitzen, wird der braune Rauch des bisherigen Thomas­stahlwerkes, der die Luft so unheilvoll verunreinigte, vom heimatlichen Horizont verschwinden.

Auch vermerkt der Chronist, dass die Thyssengas AG Hamborn nördlich von Serm eine Erdgasleitung verlegte, die von Holland kommend über Emmerich­-Hüls längst der B 288 Autobahn nach Wuppertal führt. Bei Haus Grind in Mündelheim führt die Leitung in einem doppelten Düker durch das Rheinbett.

Auch das Herbstschießen führte die Bru­derschaft wieder durch. Es fand am 16. Oktober 1966 im Vereinslokal statt. Herbst­meister war Martin Schulz.

In den Stand der Ehe trat das Mitglied der Hubertus-Kompanie und Präsident der Karnevalsgesellschaft Südstern Hans Brors.

Das Fest der „Silbernen Hochzeit“ konn­ten folgende Mitglieder feiern :

  • Wilhelm Schumacher,
  • Hubert Schmitz,
  • Fritz Kreifels und
  • Theo Wirtz.