Am 4. Januar 1972 verstarb im Alter von 85 Jahren unser Mitglied Engelbert Kusen. Im Jahre 1933 errang er die Königswürde und erkor seine Schwägerin Katharina Hassel zur Königin. Für ihn war das Schützenfest 1933 ein doppeltes Fest, da er an diesem Tage gleichzeitig sein 30.jähriges Dienstjubiläum bei der Reichsbahn feiern konnte. In echtem Schützengeist hat er treu die Schützenbruderschaft unterstützt.
Unsere Gegenwart ist durch große und schnelle Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur gekennzeichnet. Nach wie vor pflegt die Bruderschaft unverändert die alten Sitten und Gebräuche. Damit bildet sie „einen ruhenden Pol in der Entscheidungen Flucht“.
Eine alte Sermer Bauernregel lautet: “Drey Könige hand de Dag eine Hahnenschrei gelängt“.
Aus Gesundheitsgründen und Arbeitsüberlasten hatte Theo Wirz das Amt des Präsidenten abgegeben. Große Verdienste hat er sich durch die jahrzehntelange Geschäftsführung der Bruderschaft erworben. Als Anerkennung für diese Verdienste überreichte ihm Bundesmeister Schmitz (Rahm) am Schützenfeste am 30. 4. 72 eine Ehrenurkunde für beispielhaften Einsatz im Sinne der Zielsetzungen unseres Bundes und den „Hohen Bruderschaftsorden“, verliehen im April 72.
Als Nachfolger wurde Christian Issel (36 Jahre) gewählt. Er ist bei der Stadtverwaltung Duisburg tätig. Die Mitglieder vertrauen ihm, dass er mit jugendlichem Schwung und Eifer die Geschicke der Bruderschaft lenken wird.
Karneval wurde in diesem Jahr in althergebrachter Weise veranstaltet. Als Prinz fungierte Hans Otto I von der Hubertuskompanie – sein Schwager Willi Hassel als Hofmarschall. Der Prinzenumzug am Rosensonntag ist immer der Höhepunkt der Veranstaltung. Weil Hans – Otto I von Beruf Polizeimeister ist, hatte sich der Kegelclub als Gendarmen von anno dazumal mit Schnauzbart, Schleppsäbel und Pickelhaube ausgestattet.
Weil der staatliche Feiertag 1. Mai in diesem Jahr auf einen Montag fiel, wurde das Schützenfest 72 acht Tage vorverlegt. Jedoch musste der Umzug am Samstag, den 29. 4. wegen Regens ausfallen.Am 30. 4. und 1. 5. herrschte jedoch schönes Wetter. Nach dem Hochamt für die Gefallenen und Toten wurde eine eindrucksvolle Kriegerehrung abgehalten. Das Tambourcorps spielte und der Kirchenchor sang unter der Stabführung von Herrn Schaadt ein Gedächtnislied. Herr Rektor Brors wies in seiner Gedächtnisrede darauf hin, dass Kriegerehrung und Friedensliebe unzertrennbare Aufgaben sind.
Beim anschließenden Beisammensein im Vereinslokal wurden 24 Mitglieder für treue Mitgliedschaft geehrt: Atrops Fritz; Angerhausen Heinrich; Brors Hans Otto; Brors Hans; Blomenkamp Ludwig; Blomenkamp Heinrich; Blomenkamp Wilhelm; Buchholz Adolf; Busch Heinz; Bünten Johann; Bünten Engelbert; Doemen Willi; Hassel Peter; Heesen Heinrich; Höffges Michael; Issel Johann; Janssen Karl; Löv Johann; Pechan Johann; Radmacher Franz; Rothkopf Edmund; Sanders Theo; Schmitz Ferdinand; Strathmann Heinrich.
Ganz Serm feierte 3 Tage lang Schützenfest. 126 Sebastianus- Schützenbrüder wetteiferten um die Königswürde. Helmut Remers tat um 14:15 Uhr den glücklichen Schuss. Auf dem Schießstand herrschte ständig gute Stimmung. Die Sermer Jungschützen treten zeitig in die Tradition der Schützenbrüder ein. Ihr Prinz wurde Peter Danes.
Der Hofstaat setzte sich wie folgt zusammen:
1) Helmut Remers und Frau Waltrud Königspaar
2) Andreas Wenders und Frau Hildegard Hofstaat
3) Hans Hümbs und Frau Fine Hofstaat

Im September (15. – 18. 9.) feierte die St Sebastianusbruderschaft Mündelheim-Ehingen 1712 das Fest ihres 260. jährigen Bestehens. Sie stützt ihr historisches Alter auf eine Inschrift auf einer Glocke von St. Dionysius Mündelheim. Zweifellos ist ihr wirkliches Alter viel höher. So feiert in diesem Jahr die St. Seb. Bruderschaft Wittlaer Bockum, die denselben Kirchenerbauer, einen fränkischen Patron und unbestritten dasselbe Lebensalter hat, ihr 542.jähriges Bestehen am 7. Juni.
Weil die St. Seb. Schützenbruderschaft Mündelheim die Mutterbruderschaft der Sermer ist, war die Beteiligung seitens Serm zahlreich. Die St. Seb. Schützenbruderschaft Serm war mit König, Königin, Prinz Peter Danes und ca. 70 Mann vertreten. Für alle Königspaare fand im Lokale Kreifelts ein Kaffeetrinken statt und zu Ehren der Majestäten die Tambourcorps der Nachbarschaft auf.
Am Dorfkreuz Serm war im Spätherbst ein Frevel begangen worden. In der Nacht hatten sehr wahrscheinlich übermütige, angetrunkene Burschen das Oberteil umgestürzt, so das es zerbrach. Dieses Kreuz ist Mittelpunkt und Symbol des Dorfes. Weil das alte Dorfkreuz baufällig geworden war, wurde 1900 eine Kommission gewählt, die das neue Dorfkreuz errichten sollte (400 – 500 DM). Das Kreuz wurde aus belgischem Granit ausgeführt und am 24. 4. 1901 feierlich eingeweiht.
Am Sonntag vor Pfingsten (Huckinger Kirmes) zog alljährlich die Prozession von Mündelheim nach Serm. Am Kapellchen und Dorfkreuz wurde der Segen erteilt.
Das Herbstschießen wurde in diesem Jahr in zwei Gruppen abgehalten. Bei den Senioren wurde Hans Benger, bei den Junioren Hermann Altgassen Herbstmeister.
Wiederum ist im Dorfbild eine große Veränderung eingetreten. Im westlichen Teil der Dorfstraße – von altersher “Altgat“ genannt – ist der Falkenhof der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Bis zum Schluss des zweiten Weltkrieges hatte der letzte Besitzer Josef Radmacher den Hof bewirtschaftet und dann an die Firma Mannesmann verkauft, die das Gelände für Wohnsiedlungen nutzen will. Der Vater von Josef Radmacher – Franz Radmacher – genannt der „Falkebur“ heiratete ca. 1890 vom Elternhof „Kleinwinkelhausen“ kommend auf diesen Hof. Sein ältester Sohn Franz Radmacher lebt noch. Es ist nicht bekannt, ob auf dem Hof Falken gehalten wurden oder eine Falknerei, die Hobbyjagd mit Beizvögeln, betrieben wurden.
Die Tellkompanie hatte zwei Verluste durch den allzu frühen Tod von Günter Mohr und Egon Löwe.
Die Jubelfeier der Silbernen Hochzeit begingen: Paul Peters, Heinrich Weitz, und Heiner Angerhausen.
Den Bund fürs Leben schlossen Friedhelm Issel und Frau Lukrezia.
Ehrenpräses Pastor Färber und Ehrenpräsident Christian Issel begingen zum Schluss des Jahres ihren 70 Geburtstag.
Das Titularfest ist eine Gelegenheit nachzuprüfen ob der alte Baum der Schützenbruderschaft von der Wurzel noch gesund sei. Da müsste man sich nach dem Schutzpatron St. Sebastian ausrichten, einen Offizier und Märtyrer, ein aufrechter, wahrhaftigen und mutigen Mann. Nach wie vor hat die Bruderschaft in dem jahrhundertealtem Bestehen zwei Wurzeln: die kirchlich religiöse und die kameradschaftliche – weltliche, die im Wahlspruch der Bruderschaft: „Für Glaube, Sitte und Heimat“ ihren symbolhaften Ausdruck findet.